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Hausärzte für den ländlichen Raum

Gesagt

Gute medizinische Versorgung in ganz Sachsen. (© contrastwerkstatt - Fotolia.com)

Getan

Gezielte Ausbildung von Ärzten für ländliche Regionen.

Eine gute gesundheitliche und pflegerische Versorgung in allen sächsischen Regionen, das ist das Ziel der Sächsischen Staatsregierung. Für eine starke, stabile und zukunftsfeste Krankenhauslandschaft sind im Doppelhaushalt 2019/2020 Investitionsmittel in Höhe von einer viertel Milliarde Euro eingeplant. Die medizinische Versorgung insbesondere im ländlichen Raum wird in 2019/2020 mit insgesamt rund 75 Mio. Euro gestärkt.

Um die gesicherte Versorgung mit Hausärzten in den besonders vom Bevölkerungswandel betroffenen ländlichen Regionen zu gewährleisten, arbeitet der Freistaat Sachsen intensiv mit den sächsischen Universitäten an der Umsetzung des »Masterplans Medizin 2020«. Zum einen gibt es umfangreiche Fördermöglichkeiten für Mediziner, die sich im ländlichen Raum niederlassen möchten. Und mit dem  »Sächsischen Hausarztstipendium« fördert der Freistaat frühzeitig engagierte Humanmediziner, die ihre berufliche Zukunft nach dem Studium im ländlichen Raum sehen. Eine von ihnen ist die Medizinstudentin Yvonne Müller:

Berufliches Ziel: Allgemeinmedizinerin im ländlichen Raum

Eine Frau mit schwarzen Haaren vor einer Steinmauer
Yvonne Müller aus Zwickau hat sich mit 34 Jahren entschieden, neue berufliche Wege zu gehen. Sie begann ein Medizinstudium mit dem Ziel, als Allgemeinmedizinerin im ländlichen Raum tätig zu sein. Finanzielle Unterstützung erhält sie durch eine Förderung über das »Sächsische Hausarztstipendium« für Medizinstudierende.  © Bild21 Fotostudio Görlitz

Engagiert und zielorientiert – wenn diese Attribute auf jemanden zutreffen, dann auf Yvonne Müller. Die 38-Jährige lebt in Zwickau, ist Mutter dreier Kinder zwischen 8 und 14 Jahren, zudem Unternehmer-Ehefrau – und studiert an der Uni Leipzig Humanmedizin im 9. Semester. Sie ist Stipendiatin des »Sächsischen Hausarztstipendiums« für Medizinstudierende. Im Gespräch erzählt sie, warum sie sich auf den Bereich Allgemeinmedizin spezialisieren und später beruflich im ländlichen Raum niederlassen möchte.

Interview mit Medizinstudentin Yvonne Müller

Frau Müller, der Fachbereich Allgemeinmedizin gilt bei vielen Nachwuchsmedizinern als wenig spektakulär und monoton. Husten, Schnupfen, Heiserkeit als täglich Brot, so der Tenor unter Studenten. Warum haben Sie sich dennoch für diesen Fachbereich entschieden?
Für mich ist die Allgemeinmedizin keinesfalls unspannend, sondern sehr vielseitig. Bevor ich 2014 mit dem Medizinstudium begann, war ich als Pharmareferentin tätig und habe viele Hausarztpraxen  kennengelernt – und große Unterschiede zwischen den Praxen gesehen. Durch die Arbeit in meiner Patenpraxis bei Dr. Lutz Reinhold in Reinsdorf in der Nähe von  Zwickau habe ich noch tiefere Einblicke in die Arbeit eines Allgemeinmediziners erhalten, die mich in meiner Entscheidung bestärkt haben.

Was beeindruckt sie an dem Fachbereich besonders?
Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll – von der Tätigkeit in der Praxis bis hin zum Notdienst-Einsatz.  Man muss jeden Patienten individuell mit seinen Beschwerden im Ganzen erfassen und quasi vorsortieren, welche Maßnahmen nötig sind bzw. welche Fachärzte mit einbezogen werden sollten. Das erfordert ein umfassendes Wissen, viel Erfahrung, fachübergreifendes Denken und Handeln sowie Einfühlungsvermögen.

Die Arbeit in einer Patenpraxis neben dem Studium ist eine Bedingung, um das Sächsische Hausarztstipendium zu erhalten. Das klingt anstrengend. Ist das Stipendium Last oder Entlastung?
Die Arbeit in der Patenpraxis umfasst ab dem 1. Semester 24 Tage im Kalenderjahr. Das ist machbar und dient der Orientierung. Und die Förderung von 1.000 Euro im Monat über 6 Jahre und 3 Monate während des Studiums ist natürlich eine enorme finanzielle Entlastung. Aus meiner Sicht ist das Stipendium ein guter Ansatz, um Nachwuchsmediziner auf den Bereich Allgemeinmedizin aufmerksam zu machen.

Was sind die nächsten Schritte auf Ihrem Weg zur Allgemeinärztin im ländlichen Raum?
Ich habe jetzt noch zwei Semester an der Uni, dann folgt das Praktische Jahr. Danach beginnt die fünfjährige Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin – 3 Jahre im klinischen und 2 Jahre im ambulanten Bereich.

Und dann eröffnen oder übernehmen sie eine eigene Praxis auf dem Land, für die sie dann ggf. auch mit Ihrer Familie umziehen müssen?
Nein, umziehen muss ich bestimmt nicht – wir sind als Familie und mit dem Unternehmen meines Mannes hier verwurzelt. Auch rund um Zwickau gelten Regionen als medizinisch unterversorgte Regionen, wie z. B. Reinsdorf, wo meine Patenpraxis ist. Ob ich eine eigene Praxis eröffne oder als angestellte Allgemeinärztin z. B. in einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeite ist noch ganz offen. Es ist mir auf jeden Fall wichtig, Beruf und Familien gut unter einen Hut zu bringen – ein Aspekt, der für junge Ärzte und Ärztinnen immer wichtiger wird.

Ist das auch ein Grund, warum sich viele Nachwuchsmediziner gegen eine Tätigkeit als »Landarzt« entscheiden – lange Arbeitszeiten und weite Wege bei Hausbesuchen?
Das spielt sicherlich auch mit eine Rolle. Hier ist es nötig, über neue Arbeits- und medizinische Versorgungsstrukturen insbesondere für den ländlichen Raum nachzudenken. Erste regionale Ansätze gibt es wie Hausarztinitiativen, die Versorgung mittels Zweigpraxis oder die Integration von Allgemeinmedizinischen Praxen in Medizinischen Versorgungszentren. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wohin mich meine berufliche Zukunft als Allgemeinmedizinerin führt.

Wenn junge Frauen und Männer hier in Sachsen Medizin studieren, dann ist es mein Ziel, dass sie nach ihrem Studium im Freistaat tätig werden können und wollen. Dafür wurden unterschiedliche Fördermöglichkeiten für Studierende und Absolventen auf den Weg gebracht, von denen die ersten bereits zu greifen beginnen. Im letzten Jahr konnten wir durch diese Maßnahmen fünf junge Mediziner gewinnen, die im ländlichen Raum ihre Tätigkeit aufnahmen und in diesem Jahr werden es sechs sein! Besonderes Augenmerk liegt auf der Stärkung der Allgemeinmedizin und der Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.

(Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, am 4. April 2018 in Dresden)

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