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Ortszentren als Plätze des Miteinanders

Gesagt

Verfallene Ortsmittelpunkte wiederbeleben. (© spuno - Fotolia.com)

Getan

5 Mio. Euro zusätzlich für Programm »Vitale Dorfkerne«.

Förderung in der Praxis: Königswalde im Erzgebirge

Hinter positiven Entwicklungen stecken oftmals engagierte Menschen, die sich für ihre Heimatgemeinde tatkräftig einsetzen. »Wir passen auf, dass die Infrastruktur funktioniert«, erklärt Ronny Wähner, Bürgermeister von Königswalde im Erzgebirge. Die Gemeinde hat bewiesen: Wer im Dorf eine Grundschule, Krippe, Kindergarten, Hort, Bäcker, Fleischer, Apotheke, Ärzte und ein attraktives Kulturleben halten kann, dem laufen auch die jungen Leute nicht davon.

Königswalde im Erzgebirge hat seinen Einwohnern noch viel mehr zu bieten, als eine idyllische Lage. Die Kleinstadt arbeitet aktiv an einer funktionierenden Infrastruktur. Dafür nutzt sie auch Förderprogramme von Land und Bund.

Interview mit Ronny Wähner: Programm »Vitale Dorfkerne« gibt neue Impulse fürs Gemeindeleben

2.250 Menschen leben in Königswalde. Und das gern. Das Erzgebirgsdorf hält seine Einwohnerzahl seit Jahren fast stabil. Ein Gespräch mit dem Bürgermeister Ronny Wähner (43) darüber, wie er und seine Mitstreiter es schaffen, die Gemeinde als lebenswerten Raum zu erhalten und wie das Landesprogramm »Vitale Dorfkerne« dabei geholfen hat.

Herr Bürgermeister, wie bleibt ein Dorf für Menschen attraktiv, wenn die großen Städte ringsum locken?
Ronny Wähner: Wir passen auf, dass die Infrastruktur funktioniert: Bei uns gibt es Grundschule, Krippe, Kindergarten, Hort, zwei Bäcker, einen Fleischer, auch eine Apotheke ist da. Diese Vielfalt ist längst nicht mehr in jedem Ort im Erzgebirge zu finden. Auch die Vereinslandschaft bietet vieles, was sich junge und ältere Menschen wünschen: vom Fußball spielen, über die Feuerwehr und den Schützenverein, bis hin zum Klöppeln und Schnitzen. Wir haben sogar einen Skilift. Das, zusammen mit der schönen Umgebung, zieht junge Familien an, die sich niederlassen und Häuser in die Lücken bauen. Im Moment gibt es im Dorf kaum eine freie Wohnung.

Dann haben Sie als Bürgermeister wohl nicht viel zu tun, wenn alles so gut läuft…
Ronny Wähner: Um all das zu erhalten, müssen wir immer wieder kämpfen. Im Moment macht mir zum Beispiel die ärztliche Versorgung Kopfzerbrechen. Wir brauchen dringend einen neuen Allgemeinarzt. Die bisherige Ärztin hat im vergangenen Jahr kurzfristig aufgehört. Aber einen jungen Medizinabsolventen zu überzeugen, sich draußen auf dem Dorf niederzulassen, ist nicht einfach. Wir ergreifen jetzt die Initiative und bauen unterm Gemeindesaal Praxisräume aus. Vielleicht wird Königswalde dadurch für einen jungen Arzt attraktiver.

Sie haben gerade den Gemeindesaal für 850.000 Euro saniert und modernisiert. Wie haben Sie das geschafft? Sind die Gemeindekassen so prall gefüllt?
Ronny Wähner: Aus eigenen Mitteln hätten wir das niemals geschafft. Uns haben dabei Fördermittel vom Land sehr geholfen. Das Gebäude in der Dorfmitte war zu DDR-Zeiten ein Kino. Ab 1993 haben wir den Saal im ersten Obergeschoss zum Gemeindesaal umgewidmet. Zum Schluss funktionierte die Nutzung nur noch über Bestandsschutz: Der zweite Rettungsweg fehlte, die sanitären Anlagen waren in einem schlechten Zustand und der Hauptzugang führte über eine enge Wendeltreppe, die für Senioren sehr unbequem war. Uns war klar: Eine Sanierung inklusive Modernisierung wird nicht billig. Aber wir wollten den Gemeindesaal zukunftssicher machen.

War es schwierig, an die Fördermittel zu gelangen?
Ronny Wähner: Zuerst hatten wir an das LEADER-Programm gedacht. Doch darüber können keine Neu- und Anbauten gefördert werden. Ich war enttäuscht. Aber dann habe ich im Landesprogramm »Vitale Dorfkerne« einen Ausweg gefunden. Dadurch haben wir 540.000 Euro Fördermittel erhalten. Damit ließ sich etwas machen: Wir haben ein Treppenhaus mit einem neuen Hauptzugang gebaut. Die Wendeltreppe ist jetzt der zweite Rettungsweg. Und es gibt nun auch einen Fahrstuhl, so können auch Menschen mit Behinderung in den Gemeindesaal gelangen. Außerdem wurden die Bestuhlung und die Küche erneuert. Jetzt richten wir noch Parkplätze ein. Dafür nutzen wir aber ein anderes Förderprogramm, das sich »Brücken in die Zukunft« nennt.

Wie kommt der neue Gemeindesaal an?
Ronny Wähner: Als der Saal fertig war, haben wir zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Die Resonanz war sehr positiv. Ein Dorf wie unseres braucht so etwas einfach – einen zentralen Ort der Begegnung und des Miteinanders.

 

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